Ich trage mich bereits seit längerem mit dem Gedanken mich aktiv in die, bei den Piraten ja überaus beliebte, Genderdebatte einzuschalten, wobei mir bislang einfach die Zeit fehlte. Heute habe ich endgültig die Entscheidung gefällt es zu tun, egal, ob ich nun Zeit übrig habe oder nicht, zaubere ich halt mal wieder ein wenig Zeit aus dem Hut, dafür habe ich ohnehin ein Talent.
Sei es wie es sei, jedenfalls fiel mir vor einigen Tagen der Artikel “Postgender? Damit sind die Piratenvon gestern” aus der Kolumne “Männersache/Frauensache” des Freitags in die Hände oder, um einmal gebührend korrekt zu sein, auf den Monitor. Zuerst war ich auch, wie viele der Kommentatoren auf der Internetseite des Freitags, recht verärgert, empfand den Artikel als inkorrekt und die tatsächliche Sachlage ignorierend. Ich habe allerdings nicht sofort einen wütenden “Ey, das stimmt so nicht!!!1111 Schreib keinen Mist!!!!!111einseinself”-Kommentar hinterlassen. Tut mir leid, aber erstens bin ich aus diesem Alter dann doch schon eine Weile heraus und zweitens bin ich ein Verfechter einer konstruktiven Diskussionskultur, in die ein solcher Kommentar einfach nicht passen würde. In diesem Sinne entschuldige ich mich bei allen, die sich schon darauf gefreut hatten.
Frau Baureithel baut in ihrem Artikel ein Bild auf, das die Piratenpartei als eine Partei von Antifeministen und Männerrechtlern zeichnet, die sich selbst als “Postgender” bezeichnen um so den Kritikern, die sie als Männerpartei bezeichnen den Wind aus den Segeln zu nehmen und sich selbst als Frauenrechtler darzustellen, wo keine sind. Dem widerspreche ich. Ich sehe die Piratenpartei viel mehr als eine Partei, die sich gerne von alt hergebrachtem Gedankengut distanziert, als eine Partei, in der viele Freigeister versuchen schrankenlos zu denken um so zur besten Lösung eines Problems zu kommen, zu einer möglichst idealtypischen Gesellschaft freier Menschen, die frei ungezwungen und vorurteilsfrei denken und handeln. Ein schönes Ideal.
Im Zuge dieses Prozesses entstand meiner Meinung nach auch die Idee “Postgender” sein zu können. Viele Piraten neigen dazu sehr rational und konsequent zu denken oder zumindest so, wie sie es für rational und konsequent halten.
Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) ist eine Partei im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Parteiengesetzes. Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.
Abschnitt A, §1, Absatz 1 der Satzung der Piratenpartei Deutschland
Bereits im ersten Absatz der Satzung der Piratenpartei findet sich ein eindeutiges Bekenntnis zur Gleichberechtigung. Das ist gut so. Das ist etwas, das ich von der Partei, für die ich kämpfe und für die ich so viel Zeit und Kraft aufwende verlange. Das ist auf der einen Seite nicht viel, auf der anderen Seite ist es unglaublich viel. Es ist Teil des humanistischen Freiheitsverständnisses, dass mich anspornt und das, so wie ich es empfinde, viele Piraten teilen, findet es sich doch in diversen Ausprägungen in den Programmen der Piratenpartei, in den Anträgen und den Diskussionen, die ich selbst das Glück hatte erleben zu dürfen. Und genau hier zeigt sich, warum ich die Piratenpartei eben nicht für eine Partei von “Männerrechtlern” halte: Es wird eben nicht nur darüber nachgedacht, was ist und was man daran ändern könnte, sondern auch darüber, was sein sollte. Und es sollte eben so sein, wie es bereits zu Beginn der Satzung der Piraten steht: Dass Menschen Menschen ansehen, unabhängig von ihrem Geschlecht, dass Menschen frei leben und sich frei entfalten dürfen ohne durch andere Menschen beschränkt zu werden, nur weil sie das “falsche” Geschlecht, die “falsche” Hautfarbe oder ähnliches haben. Konsequent sage ich hier, wie auch viele andere Menschen, insbesondere auch viele Piraten, dass ich der Meinung bin, dass man dazu eben nicht explizit auf die “lieben Leserinnen und Leser” eingehen muss. Tut man es doch, so beglückt uns die deutsche Sprache zum Teil mit äußerst umständlichen Satzkonstrukten, die niemand wirklich gerne liest. Des weiteren, und das ist vielleicht der viel wichtigere Punkt, empfinde ich, und ich weiß auch von sehr vielen Frauen, denen es ähnlich geht, den expliziten Hinweis im Text auf das Geschlecht, als deutlich diskriminierender als die Verwendung eines einzelnen Geschlechts, welches aus meiner Sicht auch gerne das weibliche sein darf. Allein die Tatsache, dass ein solcher Hinweis auf das Geschlecht nötig ist, impliziert dem empfinden vieler Menschen nach, dass hier eine Minderheit vor Diskriminierung geschützt werden soll. Dem ist jedoch nicht so. Frauen sind keine Minderheit! Leider gibt uns die deutsche Sprache kaum die Möglichkeit zur Verwendung eines generischen Neutrums. Ich jedoch bleibe dabei, dass ich es nicht für nötig erachte eine Person nach ihrem Geschlecht zu beurteilen. Daher widerspreche ich Frau Baureithel.
Frau Baureithel, sollten Sie zufällig diesen Artikel lesen, so wäre ich auch erfreut in einen konstruktiven, sachlichen Dialog mit Ihnen treten zu können. Sollten Sie daran interessiert sein, so kontaktieren Sie mich einfach auf dem Weg, der Ihnen am ehesten zusagt. Sowohl meine Adresse als auch meine Telefonnummer finden Sie im Impressum.

